Wegfall der Ortskunde für Krankenwagen und Mietwagen

Seit Jahren schon suchen die Krankentransportunternehmen, zumindest in Berlin, ständig qualifiziertes Personal. Das geeignete Personal zu finden scheint dabei allerdings schwierig zu sein. Nach dem Wegfall der Verpflichtung zum Nachweis der Ortskunde für Mietwagen- und Krankenwagenfahrer soll sich das ändern.

Zur Besatzung eines Krankenwagens gehören zwei Personen. Zum einen ist das der Fahrer oder auch die Fahrerin und der Beifahrer beziehungsweise die Beifahrerin. Der Fahrer (und ab hier verzichte ich der besseren Lesbarkeit halber auf die Angabe der jeweils weiblichen Form) muss über mindestens eine Ausbildung zum Rettungshelfer verfügen. Der Beifahrer, der auch gleichzeitig der Verantwortliche für die Patientenbetreuung ist, muss mindestens die fachliche Qualifikation des Rettungssanitäters besitzen. Neben diesen fachlichen Qualifikationen muss der Fahrer noch im Besitz eines sogenannten P-Scheins (Personenbeförderungs-Schein), oder wie die amtliche Bezeichnung lautet, einer Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung sein.

Und hier liegt oft das Problem. Sicher würde ein Krankentransportunternehmen am liebsten nur Rettungssanitäter einstellen, die gleichfalls einen P-Schein besitzen. Das erleichtert die Besetzung der Fahrzeuge ungemein, gerade dann, wenn unvorhergesehen jemand durch Unfall oder Krankheit ausfällt. Besitzen nicht alle Mitarbeiter über beide Qualifikationen muss immer darauf geachtet werden, dass die Mindestanforderungen wie oben beschrieben erfüllt werden. In der Praxis klappt das nicht immer, so dass Fahrzeuge nicht in Dienste genommen werden können, was zu vielfältigen Problemen führen kann.

Bundesrat stimmt Abschaffung der Ortskunde zu

Nun soll es einfacher werden. Rettungssanitäter, die einen P-Schein deshalb nicht beantragt haben, weil sie der Nachweis der Ortskunde abgeschreckt hat, werden es nach einem Beschluss des Bundesrates vom 7. Juli dieses Jahres leichter haben.

In seiner 959. Sitzung hat er der Änderung des § 48 Fahrerlaubnis zur Fahrgastbeförderung der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) zugestimmt. Demnach entfällt zukünftig für Fahrer von Mietwagen und Krankenwagen die Pflicht der Nachweis der erforderlichen Ortskenntnisse am Ort des Betriebssitzes, die sogenannte Ortskundeprüfung. Taxifahrer benötigen diesen Ortskundenachweise weiterhin.

In der Begründung zu der Entscheidung den Nachweis der Ortskunde für Fahrer von Mietwagen und Krankenwagen abzuschaffen gibt der Bundesrat an, dass im Unterschied zum Fahrer von Taxen dem Fahrer eines Mietwagens oder eines Krankenwagens das Fahrziel regelmäßig vor Antritt der Fahrt bekannt sei, weshalb eine geeignete Fahrtroute bereits vor Fahrtantritt ausgewählt werden könne.

Auf den Informationsseiten zur Beantragung des P-Scheins des Landes Berlin wurde der Umstand, dass der Ortskundenachweise für Miet- und Krankenwagenfahrer abgeschafft wurde, noch nicht berücksichtigt. Eine Rückfrage beim Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO) wurde umgehend telefonisch beantwortet. Demnach sei die Änderung zwar beschlossen, das Gesetz selbst aber noch nicht geändert. Das würde noch gut zwei bis drei Monate dauern. Bis dahin gelte noch die Pflicht zur Ortskundeprüfung.

Wie in Deutschland Gesetze oder deren Änderungen beschlossen werden, kann man leicht verständlich auf dieser Seite des Bundesrates nachlesen. Die Auskunft scheint also zu stimmen.

Ob der Wegfall der Ortskundeprüfung für Miet- und Krankenwagenfahrer tatsächlich den von den Unternehmen gewünschten Effekt nach sich ziehen wird, wird sich in Zukunft zeigen. Sicher werden einige Rettungssanitäter, die sich bisher noch scheuten einen P-Schein zu beantragen, weil sie den mit der Vorbereitung für die Ortskundeprüfung verbundenen Aufwand scheuten, nun doch vereinzelt nachziehen.

Das alleine wird aber das Personalproblem insgesamt nicht lösen, da auf der anderen Seite der bisherige Fahrer, der nur über die Ausbildung zum Rettungshelfer verfügt, nun ebenfalls nachziehen und die Ausbildung zum Rettungssanitäter nachholen müsste, denn Wunsch der meisten Unternehmer im Krankentransport dürfte es weiterhin sein, möglichst ausschließlich Rettungssanitäter mit P-Schein einzustellen, um bei der Besetzung ihrer Fahrzeuge möglichst flexibel sein zu können. Ein Angestellter, der dann nur als Fahrer, aber nicht als Beifahrer eingesetzt werden kann wird da sicher bald ersetzt werden.

Beitragsbild: Hundehalter

 

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